{"id":66,"date":"2019-07-26T06:47:44","date_gmt":"2019-07-26T06:47:44","guid":{"rendered":"https:\/\/3637.grabserberg.ch\/?page_id=66"},"modified":"2019-09-11T06:12:33","modified_gmt":"2019-09-11T06:12:33","slug":"geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/?page_id=66","title":{"rendered":"Geschichte"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcberlieferungsgeschichte und Siedlungsgebiet<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hekataios_von_Milet\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/hecateus-karte-300x292.png\" alt=\"Weltkarte von Hekataios\" class=\"wp-image-354\" width=\"150\" height=\"146\" srcset=\"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/hecateus-karte-300x292.png 300w, https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/hecateus-karte-768x746.png 768w, https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/hecateus-karte.png 813w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/figure><\/figure><\/a><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste historische Erw\u00e4hnung der Kelten stammt vom griechischen Historiker Hekataios von Milet aus der Zeit um 500 v. Chr. Er erw\u00e4hnt, dass sie n\u00f6rdlich der griechischen Kolonie von Massilia lebten. Die Helvetier werden zum ersten Mal fassbar durch eine Inschrift auf einer Tonscherbe aus Mantua. Dort steht in einem etruskischen Alphabet das Wort eluveitie, das als die etruskische Form des keltischen Wortes Helvetios (\u00abder Helvetier\u00bb) identifiziert wird. Man geht davon aus, dass der Eluveitie einer von Helvetiern abstammenden etruskischen Familie angeh\u00f6rte. Durch M\u00fcnzen aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. ist aus dem Oppidum Heidengraben ein Adliger (K\u00f6nig?) namens Atullos bekannt. Die erste zuverl\u00e4ssige schriftliche Erw\u00e4hnung der Helvetier findet sich beim griechischen Historiker Poseidonios, der sie als \u00abgoldreich, aber friedlich\u00bb beschreibt, aber nicht erw\u00e4hnt, wo sie genau lebten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/G\u00f6tter.docx\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/tacitus.jpg\" alt=\"Tacitus\" class=\"wp-image-360\" width=\"165\" height=\"218\" srcset=\"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/tacitus.jpg 330w, https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/tacitus-228x300.jpg 228w\" sizes=\"auto, (max-width: 165px) 100vw, 165px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem griechischen Geographen Ptolem\u00e4us und dem r\u00f6mischen Historiker Tacitus zufolge lebten die Helvetier um 100 v. Chr. noch im Gebiet zwischen Donau, Rhein und Main. Aus diesem Gebiet seien sie aufgrund des Vordringens germanischer St\u00e4mme in die Nordwestschweiz ausgewichen: \u00abIm 1. Jahrhundert v. Chr. (verdr\u00e4ngten die) von Norden und Osten her eindringenden germanischen St\u00e4mme die ans\u00e4ssige Bev\u00f6lkerung, was bald zu einer sp\u00fcrbaren Siedlungsausd\u00fcnnung f\u00fchrte. Der keltische Stamm der Helvetier, der nach Aussage der literarischen Quellen in [der heutigen Main-Tauber-Region] zu suchen ist, wurde nach S\u00fcden, ins Gebiet der heutigen Schweiz vertrieben.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tiguriner\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/tiguriner.jpg\" alt=\"Helvetiere (um Z\u00fcrich)\" class=\"wp-image-370\" width=\"165\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/tiguriner.jpg 330w, https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/tiguriner-232x300.jpg 232w\" sizes=\"auto, (max-width: 165px) 100vw, 165px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Ptolemaios habe es in S\u00fcddeutschland eine Helvetier-Ein\u00f6de gegeben. Der Auszug ist nach der Meinung der modernen Forschung Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. geschehen, im Rahmen der Raubz\u00fcge von Kimbern und Ambronen, denen sich wahrscheinlich die Teilst\u00e4mme der Tiguriner und der Toutonen (Teutonen) anschlossen. Erstere liessen sich nach der Schlacht bei Vercellae n\u00f6rdlich des Genfersees nieder, w\u00e4hrend letztere entweder bei Aix-en-Provence vernichtet wurden oder in den anderen Teilst\u00e4mmen aufgingen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Magdalensberg_(Berg)\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/magdalensberg.jpg\" alt=\"Magdalensberg\" class=\"wp-image-366\" width=\"225\" height=\"151\" srcset=\"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/magdalensberg.jpg 450w, https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/magdalensberg-300x201.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die genaue Bestimmung der vorgeschichtlichen helvetischen Siedlungsgebiete wird noch problematischer durch eine Inschrift vom Magdalensberg in \u00d6sterreich. Dort erscheinen die Elveti als einer von insgesamt acht ostalpinen St\u00e4mmen, die ein kaiserliches Monument gestiftet haben. Das Fehlen des anlautenden Spiranten spricht nicht gegen eine Namensgleichheit mit den Helvetiern, da in vielen F\u00e4llen das h- lateinischer Autoren keine phonologische Basis hatte und h\u00e4ufig scheinbar unmotiviert in der Schreibung \u00abexotischer\u00bb Namen erscheint (vgl. etwa die Haedui-Aedui). Ob jedoch die Namensgleichheit auch f\u00fcr eine tats\u00e4chliche Identit\u00e4t mit den Helvetiern spricht und wie diese genau ausgesehen haben mag, bleibt vorerst unbekannt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Erste Auseinandersetzungen mit dem R\u00f6mischen Reich <\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die helvetischen St\u00e4mme der Tiguriner und der Tougener traten mit dem Zug der Kimbern 107 v. Chr. in die Geschichte ein. Die erste Nennung der Helvetier bei Poseidonius, die \u00fcber die Geographie des Strabon \u00fcberliefert ist, steht in diesem Kontext. Nach der Naturgeschichte des \u00e4lteren Plinius sei ein Helvetier mit dem Namen Helico in Rom als Handwerker t\u00e4tig gewesen und mit einer getrockneten Feige, einer Traube, \u00d6l und Wein in das Gebiet n\u00f6rdlich der Alpen zur\u00fcckgekehrt und habe so die keltischen Z\u00fcge \u00fcber die Alpen ausgel\u00f6st. Diese Geschichte ist in das Reich der Legenden zu verweisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 115 v. Chr. zogen die germanischen V\u00f6lker der Kimbern und Ambronen aus Norddeutschland und D\u00e4nemark nach S\u00fcden vor. Nach ihrem Sieg \u00fcber die R\u00f6mer bei Noreia kamen sie um 111 v. Chr. ins heutige S\u00fcddeutschland, wo sich ihnen keltische St\u00e4mme anschlossen, so die helvetischen Teilst\u00e4mme der Tiguriner und Tougener. Inwiefern es sich bei den Tougenern und den Teutonen, die traditionell mit den Kimbern genannt werden, um das gleiche Volk gehandelt hat, ist umstritten. Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung des ungedeuteten Namens w\u00e4re die Verschreibung von \u03a4\u03bf\u03c5\u03c4\u03bf\u03bd\u03bf\u03af zu \u03a4\u03bf\u03c5\u03b3\u03b5\u03bd\u03bf\u03af in einem fr\u00fchen Stadium der Strabon\u00fcberlieferung, in welcher die Tougener allerdings in der Form \u03a4\u03c9\u03c5\u03b3\u03b5\u03bd\u03bf\u03af erscheinen. Die verb\u00fcndeten keltischen und germanischen St\u00e4mme fielen gemeinsam nach Gallien ein, unternahmen dort allerdings getrennte Z\u00fcge. Im Jahr 107 v. Chr. gelangten die Tiguriner in das Gebiet der Volker im heutigen S\u00fcdfrankreich. Unter ihrem Feldherrn Divico besiegen die Tiguriner dort bei Agen an der Garonne ein r\u00f6misches Heer. Nach Caesars \u00dcberlieferung seien die gefangenen R\u00f6mer nach der Schlacht zur Dem\u00fctigung unter einem Joch hindurchgeschickt worden. Bei Livius wird diese Episode jedoch nicht erw\u00e4hnt. Bei Orange schlugen die Tiguriner wieder gemeinsam mit den anderen St\u00e4mmen 105 v. Chr. ein weiteres r\u00f6misches Heer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">103 v. Chr. teilten sich die St\u00e4mme auf, um die Poebene zu erobern. W\u00e4hrend die Teutonen und Ambronen westlich \u00fcber die Provence vorstiessen, zogen die Kimbern und die Tiguriner \u00f6stlich \u00fcber den Brennerpass. Die R\u00f6mer unter Marius konnten jedoch die Teutonen und Ambronen 102 v. Chr. bei Aix-en-Provence und 101 v. Chr. die Kimbern bei Vercellae abwehren und vernichten. Die Tiguriner konnten der Vernichtung entgehen und zogen mit ihrer Beute wieder nach Norden. Die Tiguriner bzw. die Helvetier blieben danach im kollektiven Ged\u00e4chtnis Roms als starker und bedrohlicher keltischer Stamm erhalten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Caesar und die Helvetier <\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Eroberung Galliens durch Caesar beendete auch die Unabh\u00e4ngigkeit der Helvetier, die Teil des R\u00f6mischen Reichs wurden. Cicero erw\u00e4hnt, dass sie \u2013 wohl als Folge der milit\u00e4rischen Niederlage gegen Caesar \u2013 ein foedus (B\u00fcndnis) mit Rom abgeschlossen h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"440\" height=\"319\" src=\"https:\/\/3637.grabserberg.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/caesardivico.jpg\" alt=\"Julius Caesar und der helvetische Heerf\u00fchrer Divico treffen nach der Schlacht an der Sa\u00f4ne zusammen.\" class=\"wp-image-69\" srcset=\"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/caesardivico.jpg 440w, https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/caesardivico-300x218.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 100vw, 440px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber die K\u00e4mpfe Roms gegen die Helvetier zu Anfang der Gallischen Kriege berichtet Caesar ausf\u00fchrlich am Anfang seines \u00abDe Bello Gallico\u00bb. Der helvetische Adlige Orgetorix soll eine Auswanderung ins Gebiet der Santonen (heutige Saintonge) geplant und vorbereitet haben. Als die Helvetier loszogen, war Orgetorix bereits unter mysteri\u00f6sen Umst\u00e4nden gestorben, nachdem man ihn des Strebens zum K\u00f6nigtum angeklagt hatte, was in grossen Teilen Galliens damals als todesw\u00fcrdiges Verbrechen galt. Danach h\u00e4tten die Helvetier ihr Siedlungsgebiet komplett verlassen, ihre Siedlungen und Felder zerst\u00f6rt, und seien mit allen wehrf\u00e4higen M\u00e4nnern, Proviant und allen anderen Stammesangeh\u00f6rigen in westliche Richtung gewandert, um ein neues Siedlungsgebiet in Gallien zu suchen und andere gallische St\u00e4mme zu unterwerfen. Die Haeduer und Allobroger h\u00e4tten Caesar und seine Legionen um Hilfe gebeten, da die Helvetier sie bedroht und ihr Land verw\u00fcstet h\u00e4tten. Caesar sei es gemeinsam mit seinen gallischen Verb\u00fcndeten gelungen, die Helvetier und deren Verb\u00fcndete 58 v. Chr. zur Entscheidungsschlacht bei Bibracte zu stellen und ihr Heer vernichtend zu schlagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Caesar gibt an, man habe im Lager der Besiegten Tafeln in griechischer Schrift mit Ergebnissen einer Volksz\u00e4hlung gefunden. Die Tafeln h\u00e4tten eine namentliche Aufstellung und die Zahl derer enthalten, die aus der Heimat ausgezogen waren, und zwar getrennt nach Waffenf\u00e4higen und ebenso nach Kindern, Frauen und Alten. Daraus h\u00e4tte sich eine Zahl von 263.000 Helvetiern ergeben, ausserdem 36&#8217;000 Tulingern, 14&#8217;000 Latobrigern, 23&#8217;000 Rauracern, 32.000 Boiern. Wehrf\u00e4hig seien 92&#8217;000 M\u00e4nner gewesen. Nach Annahme der Kapitulation seiner Feinde lie\u00df Caesar ihnen Leben und Freiheit und ordnete an, die Helvetier, Tulinger und Latobriger sollten in ihr altes Siedlungsgebiet zur\u00fcckkehren und ihre zerst\u00f6rten Siedlungen wieder aufbauen, w\u00e4hrend die Allobroger sie am Anfang mit Getreide versorgen mussten. Nachdem auf Anordnung Caesars eine Volksz\u00e4hlung bei denen durchgef\u00fchrt worden sei, die in die Heimat zur\u00fcckkehrten, ergab sich eine Zahl von nur noch 110.000. Danach w\u00e4ren zwei Drittel des Stammes dem Krieg zum Opfer gefallen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die neuere Forschung und die Arch\u00e4ologie konnten die Angaben Caesars jedoch nie best\u00e4tigen. Es fanden sich au\u00dfer in einem Oppidum auf dem Mont Vully keine Brandspuren im Siedlungsgebiet der Helvetier, die auf die von Caesar erw\u00e4hnte Vernichtung der helvetischen Siedlungen hinweisen w\u00fcrden. Im Gegenteil zeigen Siedlungen und Kultst\u00e4tten der Helvetier im entsprechenden Zeitraum eine ungebrochene Kontinuit\u00e4t und Vitalit\u00e4t. Neuere (2007) Ausgrabungen am Kultplatz von Mormont haben dies best\u00e4tigt. Milit\u00e4rhistoriker haben zudem berechnet, dass der Tross der Helvetier mit 360&#8217;000 M\u00e4nnern und Frauen sowie 8500 von Ochsen gezogenen Wagen inklusive der mitgef\u00fchrten Viehhabe \u2013 wenn man mit Caesars Angaben rechnet \u2013 130 Kilometer lang gewesen w\u00e4re und sich niemals in einer Kolonne auf einer damaligen Strasse h\u00e4tte fortbewegen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u00abAuswanderung\u00bb der Helvetier ist wohl eher als Kriegszug kleinerer Stammesgruppen zu sehen, \u00fcber dessen Gr\u00fcnde Unklarheit besteht. Ob tats\u00e4chlich jemals Pl\u00e4ne bestanden hatten, sich im Santonengebiet niederzulassen, wie Caesar behauptet (Bell.Gall. 1,10), wird wohl niemals gekl\u00e4rt werden. Neben der durchaus denkbaren Auswanderung bestimmter Bev\u00f6lkerungsgruppen ist auch an einen blossen Beutezug durch Gallien oder \u2212 was in Anbetracht des gallischen Stammespartikularismus und der tats\u00e4chlich eingeschlagenen Route unwahrscheinlicher ist \u2212, an einen Feldzug gegen die Germanen des Ariovist zu denken. Caesar ist nat\u00fcrlich darauf bedacht, die Bewegungen der Helvetier mit m\u00f6glichst offensichtlichen Parallelen zu den verheerenden Kriegsz\u00fcgen von 107 v. Chr. zu deuten, und weist daher auf die angebliche Schmach des L. Cassius bei Agen hin, die es zu s\u00fchnen galt (Bell.Gall. 1,12). In diesem Sinne wirkt auch die Person des Divico, welcher bei Caesar ein halbes Jahrhundert nach seinem Sieg \u00fcber die R\u00f6mer einen Auftritt als greiser Feldherr macht, wie ein weiteres Versatzst\u00fcck caesarischer Propaganda, mit welcher er den Angriff auf die Helvetier als sp\u00e4te Rache zu rechtfertigen sucht; ob der Sieger von Agen im Jahre 58 v. Chr. noch am Leben war oder, falls ja, \u00fcberhaupt noch k\u00f6rperlich imstande, an einem solchen Zug teilzunehmen, scheint dabei \u00e4usserst fraglich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Fehlen keltischer Funde und Siedlungen in S\u00fcdwestdeutschland im 1. Jahrhundert v. Chr. wird gelegentlich mit dem Auszug der Helvetier im Gallischen Krieg oder w\u00e4hrend der Kimbernz\u00fcge erkl\u00e4rt. Der daraus entstandene Begriff \u00abHelvetier-Ein\u00f6de\u00bb ist aber in der Forschung umstritten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Folge der Niederlage gegen Caesar liessen sich die milit\u00e4risch geschw\u00e4chten Helvetier wahrscheinlich in ein f\u00fcr sie gar nicht so ung\u00fcnstiges B\u00fcndnis (foedus) mit den R\u00f6mern ein, die im Land der Bundesgenossen darauf zur Absicherung des Landes vor einem m\u00f6glichen Einfall der Germanen zwei Milit\u00e4rkolonien in Augst und Nyon gr\u00fcndeten. Arch\u00e4ologische Funde zeigen, dass es nach der Zeit Caesars zu einer regelrechten Nachbl\u00fcte der keltischen Kultur in der Schweiz kam. Beide Umst\u00e4nde, foedus und kulturelle Bl\u00fcte, sind Hinweise darauf, dass weder das Stammesleben noch die Bev\u00f6lkerungszahl so drastisch reduziert wurde, wie Caesars Bericht vermuten l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Eingliederung Helvetiens ins R\u00f6mische Reich <\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach den K\u00e4mpfen mit den R\u00f6mern zur Zeit Caesars bricht die literarische \u00dcberlieferung \u00fcber die Helvetier f\u00fcr eine gewisse Zeit ab. Die Helvetier und Rauriker sollen bereits 52 v. Chr. sich wieder am Kampf gegen Caesar unter der Leitung des Vercingetorix beteiligt haben. Ihre Hilfskontingente seien dabei um die 10.000 Mann stark gewesen, von einer milit\u00e4rischen Ersch\u00f6pfung kann also damals noch nicht gesprochen werden. Die staatsrechtliche Stellung der Helvetier nach der Niederlage der Gallier um Vercingetorix ist unsicher, besonders ob das foedus weiter Bestand hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die R\u00f6mer legten auf jeden Fall in der Zeit um 40 v. Chr. zwei Milit\u00e4rkolonien auf dem Gebiet der Helvetier und der Rauriker an. Die Colonia Raurica (Augst) und die Colonia Iulia Equestris (Nyon) waren wohl dazu da, das nun r\u00f6misch beherrschte Gallien vor helvetischen Einf\u00e4llen abzusichern. Die Lage der Kolonien sperrt n\u00e4mlich die einfachsten Wege nach Gallien \u00fcber das Rhonetal und den Sundgau. Beide Kolonien entwickelten sich aber erst richtig unter der Herrschaft des Augustus, die Colonia Raurica musste sogar unter dem Namen Colonia Augusta Raurica neu gegr\u00fcndet werden. Arch\u00e4ologische Funde zeigen, dass es nach der Zeit Caesars zu einer regelrechten Nachbl\u00fcte der keltischen Kultur in der Schweiz kam \u2013 die Helvetier waren alles andere als romanisiert. Die keltischen M\u00fcnzfunde mit den Namen von F\u00fcrsten lassen auf eine aristokratische Organisation der St\u00e4mme schliessen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Ende des r\u00f6mischen B\u00fcrgerkrieges liess Augustus schrittweise zwischen 25 und 16 v. Chr. in den Alpenfeldz\u00fcgen die Alpenv\u00f6lker und St\u00e4mme unterwerfen, so dass der Alpenraum ins R\u00f6mische Reich eingebunden wurde. Im Zusammenhang mit diesen K\u00e4mpfen verlegten die R\u00f6mer gr\u00f6ssere Truppenverb\u00e4nde in das Gebiet der Helvetier, besonders in die heutige Ostschweiz. Die r\u00f6mische Besetzung verst\u00e4rkte schlagartig den Einfluss der r\u00f6mischen Kultur auf die Helvetier. Wichtige befestigte Pl\u00e4tze wurden verlassen, andere in r\u00f6mische Milit\u00e4rstationen umgewandelt wie Vindonissa (Windisch) oder Basilea (Basel).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Oppidum auf dem Bois de Ch\u00e2tel wurde vom H\u00fcgel in die Ebene verlegt, wo die gallor\u00f6mische Stadt Aventicum (Avenches) entstand. Bis zum Ende der Regierungszeit des Augustus wurden die Helvetier als Teil der Provinz Gallia Belgica und sp\u00e4ter der Germania superior v\u00f6llig in den r\u00f6mischen Machtbereich integriert und die Romanisierung der Bev\u00f6lkerung und der Aristokratie setzte ein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Helvetieraufstand 68\/69 n. Chr. als letzte Auseinandersetzung zwischen R\u00f6mern und Helvetiern <\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter der r\u00f6mischen Herrschaft bestand die Selbstverwaltung der Helvetier weiter. Die Volksgemeinde (civitas) war weiter in vier Teilst\u00e4mme (pagi) aufgeteilt. Die civitas regelte das Steuerwesen autonom und stellte eine Miliz, die f\u00fcr den Grenzschutz und Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit zust\u00e4ndig war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die helvetische Eigenst\u00e4ndigkeit endete im Zug der Ereignisse nach dem Tod Neros 68 n. Chr. Die Helvetier unterst\u00fctzten den neuen Kaiser Galba und kamen deshalb in Konflikt mit den r\u00f6mischen Truppen auf ihrem Gebiet, denn diese unterst\u00fctzten den Feldherrn Vitellius, der ebenfalls nach dem Kaisertum strebte. Als Galba in Rom 69 n. Chr. ermordet und an seiner Stelle Otho als Kaiser aufgestellt wurde, bereiteten sich die r\u00f6mischen Legionen in Germanien auf einen Zug nach Rom vor, um ihren Kandidaten auf den Thron zu bringen. In diesem Zusammenhang kam es zu einem bewaffneten Zusammenstoss zwischen helvetischen Gruppen und der Legio XXI Rapax aus Vindonissa (Windisch). Als Reaktion liess der r\u00f6mische Feldherr Aulus Caecina Alienus, der gerade mit dem obergermanischen Heer nach Helvetien gelangt war, hart durchgreifen. Die helvetischen Siedlungen im Aargau wurden gepl\u00fcndert und zerst\u00f6rt. Da die Helvetier Widerstand leisteten, wurden Tausende von ihnen umgebracht oder unter Kriegsrecht als Sklaven verkauft. Schliesslich besetzten die r\u00f6mischen Truppen die Stadt Aventicum, die zum Hauptort der helvetischen civitas geworden war, womit der Aufstand endete. Aventicum wurde anschliessend in eine r\u00f6mische Kolonie umgewandelt unter dem Namen Colonia Pia Flavia Constans Emerita Helvetiorum Foederata. Nach den Ausschreitungen wurde die 21. Legion in Vindonissa von der Legio XI Claudia abgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das \u00abEnde\u00bb der Helvetier <\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Aufstand der Jahre 68\/69 n. Chr. kam es nicht mehr zu milit\u00e4rischen Konflikten zwischen R\u00f6mern und Helvetiern. Die helvetische Selbstverwaltung bestand nicht mehr weiter und die Helvetier besa\u00dfen im Allgemeinen das r\u00f6mische B\u00fcrgerrecht nicht. Es wurde nur an Einzelpersonen als Auszeichnung vergeben. Erst im Jahr 212 n. Chr. wurden die Einheimischen den r\u00f6mischen Kolonisten rechtlich gleichgestellt. Die Helvetier waren zu diesem Zeitpunkt stark romanisiert, trotzdem hatten sich die keltische Umgangssprache, keltische Gottheiten und Br\u00e4uche erhalten. Von Westen nach Osten bestand dabei ein starkes Gef\u00e4lle in der St\u00e4rke der Romanisierung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen Ende der r\u00f6mischen Herrschaft in der heutigen Schweiz kam es zu einer letzten keltischen Renaissance. Trotzdem gelang es den Helvetiern nicht, nach dem Abzug der r\u00f6mischen Truppen 401 n. Chr. ein eigenes Staatswesen zu errichten. Alte keltische Oppida wurden zwar wieder neu befestigt und besiedelt, die romanisierten Helvetier konnten aber die Einwanderung der Alamannen ins zentrale und \u00f6stliche Mittelland nicht verhindern. Die alten Siedlungen konnten sich zwar eine Zeit lang als Sprachinseln behaupten, die Helvetier wurden aber l\u00e4ngerfristig mindestens in den nicht stark romanisierten Gegenden von den Einwanderern assimiliert. In der Westschweiz und im Alpenraum konnte sich das romanische Element behaupten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch verbleiben bis heute keltische Einfl\u00fcsse in der Schweiz. Der gr\u00f6ssere Teil der Fl\u00fcsse und die \u00e4lteren St\u00e4dte der Schweiz tragen keltische Namen. Auch Flur- und Landbezeichnungen weisen keltische Einsprengsel auf. So kommt etwa der Name des Innerschweizer Kantons Uri vom keltischen ure (Stier).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcberlieferungsgeschichte und Siedlungsgebiet Die erste historische Erw\u00e4hnung der Kelten stammt vom griechischen Historiker Hekataios von Milet aus der Zeit um 500 v. Chr. Er erw\u00e4hnt, dass sie n\u00f6rdlich der griechischen Kolonie von Massilia lebten. Die Helvetier werden zum ersten Mal fassbar durch eine Inschrift auf einer Tonscherbe aus Mantua. 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