{"id":109,"date":"2019-07-26T08:27:03","date_gmt":"2019-07-26T08:27:03","guid":{"rendered":"https:\/\/3637.grabserberg.ch\/?page_id=109"},"modified":"2019-07-26T08:27:03","modified_gmt":"2019-07-26T08:27:03","slug":"wortherkunft","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/?page_id=109","title":{"rendered":"Wortherkunft"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Wort Wikinger leitet sich vermutlich von dem\naltnordischen Substantiv v\u00edkingr (Maskulinum) ab, das \u201eSeekrieger, der sich auf\nlanger Fahrt von der Heimat entfernt\u201c bedeutet. Das Femininum v\u00edking bedeutete\nzun\u00e4chst nur die weite Schiffsreise, sp\u00e4ter auch die \u201eKriegsfahrt zur See an\nentfernte K\u00fcsten\u201c. Allerdings ist dies bereits das Endstadium der\nWortentwicklung. Das Wort ist \u00e4lter als die eigentliche Wikingerzeit und\nbereits im angels\u00e4chsischen W\u00edds\u00ed\u00f0 belegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hingegen nennen die Nachrichten \u00fcber die \u00dcberf\u00e4lle von\nSkandinaviern an den nordfr\u00e4nkischen K\u00fcsten zur Merowingerzeit wohl Seek\u00f6nige,\nSeegauten und Seekrieger, aber niemals Wikinger. Am Ende des 8. Jahrhunderts\nbegann eine Serie von Pl\u00fcnderungsz\u00fcgen nach England, aber es dauerte bis zum\nJahr 879, bis in der Angels\u00e4chsischen Chronik das Wort Wikinger f\u00fcr diese\nkriegerischen Aktivit\u00e4ten verwendet wurde. Danach kommt es nur dreimal vor,\nn\u00e4mlich in den Aufzeichnungen f\u00fcr die Jahre 885, 921 und 1098. Es handelte sich\nalso nicht um einen g\u00e4ngigen Ausdruck, nicht einmal in der Zeit der d\u00e4nischen\nHerrschaft \u00fcber Teile Britanniens. Hinzu kommt, dass man mit Wikinger heute\nzwar Skandinavier meint, das Wort aber in der Bibel\u00fcbersetzung und in der\nklassischen Literatur f\u00fcr Seer\u00e4uber ganz allgemein verwendet wurde. Jedenfalls\ntaucht der Begriff Wikinger auf schwedischen Runensteinen relativ sp\u00e4t auf, der\nfeminine Ausdruck v\u00edking f\u00fcr den Wikingzug in der Zusammensetzung vestrv\u00edking\nsogar erst zu einer Zeit, als die Raubfahrten nach Osten offenbar bereits\neingestellt waren, denn das entsprechende Wort austrv\u00edking gibt es nicht. Auf\nd\u00e4nischen Runensteinen ist Viking f\u00fcr den Beginn des 11. Jahrhunderts belegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Ursprung des Wortes ist folglich umstritten. Das\ngermanische v\u00edk bezeichnet eine \u201egro\u00dfe Bucht, in der das Ufer zur\u00fcckweicht\u201c,\nnach einigen Forschern also die urspr\u00fcnglichen Siedlungspl\u00e4tze der Wikinger.\nDie Zur\u00fcckf\u00fchrung auf diese Wurzel ist aber unwahrscheinlich, weil das Anlaufen\nvon Buchten und das Siedeln in Buchten eine \u00fcbliche Vorgehensweise war und\nnichts, was spezifisch die Wikinger auszeichnete. Die Wikinger lie\u00dfen sich in\naller Regel auf Inseln nieder: so auf der \u00cele de Noirmoutier in der\nLoirem\u00fcndung (Loire-Normannen), auf der Insel vor Jeufosse (heute:\nNotre-Dame-de-la-Mer) und der \u201e\u00eele d&#8217;Oissel\u201c in der Seine (Seine-Normannen),\nauf der Insel Camargue im Flussdelta der Rhone, der Halbinsel Walcheren im\nniederl\u00e4ndischen Zeeland, der Isle of Thanet, der Isle of Sheppey und anderen\nmehr, insbesondere aber auf den Orkney-Inseln westlich und n\u00f6rdlich von\nSchottland und jenen in der Irischen See (Isle of Man) bzw. auf Groix (wo\njeweils Bootgr\u00e4ber gefunden wurden).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere Theorie leitet den Terminus Wikinger vom\nlateinischen Wort v\u012bcus ab, das eine Ortschaft bezeichnet. Dabei wird auf die\nvielen St\u00e4dtenamen verwiesen, die auf -wik enden. Das feminine Abstraktum\nv\u00edking ist damit aber nicht zu erkl\u00e4ren. H\u00e4ufig wird auf Vik als alte\nBezeichnung f\u00fcr den Oslofjord verwiesen. Es seien also urspr\u00fcnglich Seer\u00e4uber\naus Vik gewesen. Dies wird \u00fcberwiegend f\u00fcr unwahrscheinlich gehalten, da Leute\naus Vik als Seer\u00e4uber nirgends besonders in Erscheinung getreten sind. Die\nneuere Forschung stellt f\u00fcr eine akzeptable Herleitung die von Munch\nentwickelte Bedingung auf, dass mit ihr auch das feminine Abstraktum v\u00edking f\u00fcr\n\u201eWikingerzug\u201c als Parallelentwicklung erkl\u00e4rt werden kann. Diese Bedingung\nk\u00f6nnen die genannten Erkl\u00e4rungen nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wird auch erwogen, dass die Wurzel nicht im\nSkandinavischen, sondern im Anglo-Friesischen zu suchen sei, da es bereits in\naltenglischen Glossaren aus dem 8. Jahrhundert auftrete; in diesem Fall\nerscheint eine Ableitung von altenglisch w\u00edc \u201eLagerplatz\u201c (aber auch\n\u201eWohnst\u00e4tte, Dorf\u201c, letztlich ebenfalls aus lateinisch v\u012bcus \u201eDorf, Anwesen\u201c\nentlehnt) wahrscheinlich. Auch diese Herleitung kann das feminine Abstraktum\nnicht erkl\u00e4ren. Andere Wortherleitungen gehen von vikva \u201evon der Stelle r\u00fccken,\nbewegen, sich bewegen\u201c oder v\u00edkja (von norwegisch vige \u201eweichen\u201c) aus. Hierzu\ngeh\u00f6rt das Wort v\u00edk im Ausdruck r\u00f3a v\u00edk \u00e1 \u201eeine Kurve rudern, beim Rudern vom\nKurs abkommen\u201c. Afv\u00edk hat die Bedeutung \u201eAbstecher\u201c. Das feminine Wort v\u00edking\nw\u00e4re dann eine Abweichung vom rechten Kurs. Synonym dazu wird in den Texten\nauch \u00fathlaup \u201edie Fahrt, das Auslaufen von Land\u201c verwendet. \u00fathlaupsma\u00f0r hei\u00dft\nauch Wikinger und \u00fathlaupsskip Seer\u00e4uberschiff. V\u00edkingr w\u00e4re dann wiederum\neiner, der von zu Hause entweicht, sich also in der Fremde aufh\u00e4lt, auf eine\nweite Seereise geht. Diese Herleitung hat keine allgemeine Zustimmung gefunden,\nweil sie von einem zu hohen Abstraktionsniveau ausgeht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein neuer Erkl\u00e4rungsversuch bezieht das Wort vika in die\n\u00dcberlegungen ein. Dieses Wort lebt im deutschen Wort \u201eWoche\u201c fort und hat\nsowohl eine zeitliche als auch r\u00e4umliche Bedeutung: Es handelt sich um die\nStrecke, die eine Rudermannschaft bis zum Wechsel an den Riemen rudert.\nAltwestnordisch ist vika sj\u00f3var eine Seemeile. Daraus wird der Vorschlag\nentwickelt, dass v\u00edkingr ein Wechsel- oder Schichtruderer ist und das\nAbstraktum v\u00edking \u201edas Rudern in Schichten\u201c bedeutet. Das Fehlen eines\nurspr\u00fcnglichen maskulinen Substantivs aus dem Wort vika wird damit erkl\u00e4rt,\ndass das feminine Wort v\u00edking zuerst da gewesen sei und v\u00edkingr eine sekund\u00e4re\nAbleitung dazu. Diese Erkl\u00e4rung ist in der Diskussion und hat sich noch nicht\ndurchgesetzt. \u00dcber die Herkunft des Wortes Wikinger besteht letztlich keine\nEinigkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wort Wikinger leitet sich vermutlich von dem altnordischen Substantiv v\u00edkingr (Maskulinum) ab, das \u201eSeekrieger, der sich auf langer Fahrt von der Heimat entfernt\u201c bedeutet. Das Femininum v\u00edking bedeutete zun\u00e4chst nur die weite Schiffsreise, sp\u00e4ter auch die \u201eKriegsfahrt zur See an entfernte K\u00fcsten\u201c. Allerdings ist dies bereits das Endstadium der Wortentwicklung. Das Wort ist \u00e4lter [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":106,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-109","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/109","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=109"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/109\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":110,"href":"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/109\/revisions\/110"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/106"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/voelker.grabserberg.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=109"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}